Grußwort von Dr. Manja Schüle 26.04.2026

Grußwort Dr. Manja Schüle, gehalten am 26.4.2026

 

Wiedereinweihung St. Marien-Andreas

 

Lieber Bischof Stäbelein, liebe Gemeindemitglieder, 

liebe Bürgerinnen und Bürger von Rathenow, 

 

alles begann hier, auf dem höchsten Punkt der Stadt, vor gut 

850 Jahren – eine einfache Holzkirche, errichtet wie ein Versprechen. 

Die Stadt wuchs – und mit ihr die Kirche St. Marien-Andreas. Wie ein stummer Zeuge thronte sie über dem Geschehen. Doch ihre Geschichte ist kein stilles Gebet, sondern ein Krimi aus Ehrgeiz, Unglück und unbeugsamem Willen. Aus der ersten Kirche wurde ein mächtiger Backsteinbau. 

Baumeister, Künstler und Handwerker – von Andreas Lindemann bis Johann Vorberg – gaben ihr Form und Seele. Viele Bürger und sogar ein König wirkten mit, als 1828 ein Turm entstand, der weit ins Havelland strahlte. Diese Kirche war längst mehr als ein Gotteshaus – sie war 

Herzschlag, Gedächtnis und, ja, auch Stolz von Rathenow. Doch dann die Brüche: Blitzeinschläge, gescheiterte Ambitionen, Abriss und Neubeginn. Und schließlich die Katastrophe: Frühjahr 1945 – der von Deutschland entfesselte Krieg kehrt nach Rathenow zurück Die Stadt wird zum Schlachtfeld, die Kirche zum Opfer. Flammen verschlingen Dach und Gewölbe, Mauern stürzen ein. Was über Jahrhunderte gewachsen war, wird in wenigen Tagen zerstört. Die Menschen verlieren dabei mehr als ein Gebäude – sie verlieren ein Stück Heimat. Denn Kirchen wie diese gehören nicht nur der gläubigen Gemeinde, sie gehören allen, die hier leben. Und so retten einige, was an Schätzen zu retten ist – damit diese Geschichte weitergeht. 

 Diese Zerstörung bleibt bis heute Mahnung: daran, wie zerbrechlich Frieden ist – und wie kostbar. Nach dem Krieg beginnt das eigentliche Ringen. Jahrzehntelang bleibt die Kirche Fragment – und doch geben die Menschen hier in Rathenow sie nicht auf. Nach der Wende wird ihr neues Leben eingehaucht: Ein Förderkreis entsteht, Bürgerinnen und Bürger verfolgen jeden Schritt, feiern Momente wie das Aufsetzen der Turmspitze per Helikopter – als würde die ganze Stadt gemeinsam Hoffnung erbauen. Stein für Stein, Gewölbe für Gewölbe. Auch die Einwölbung des Kirchraums – von den Bauleuten selbst als „Traumjob für Zimmerer und Maler“ bezeichnet – zeigt: Hier wurde mit Leidenschaft gestaltet. Heute ist die Havelland-Kathedrale, Doppelkirche St.-MarienAndreas wieder ein Ort für Glauben, Kunst und Gemeinschaft: nicht nur rekonstruiert – sondern zurückerobert. Eine Kirche, die beweist, dass aus Ruinen Zukunft wachsen kann. Dass wir heute diese Wiedereinweihung feiern dürfen, verdanken wir vielen: den Engagierten vor Ort, vor allem dem Förderkreis, der sich seit Jahrzehnten mit bewundernswerter Beharrlichkeit für diesen Wiederaufbau eingesetzt hat, stellvertretend für ihn möchte ich den Vorsitzenden nennen, Dr. Heinz-Walter Knackmuss. Aber auch den Fachleuten in Planungsbüro wie auf dem Bau, den Verantwortlichen in Kirche, Stadt, Land und Bund – und den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern. Sie alle haben möglich gemacht, was lange unmöglich schien. Dafür von Herzen DANKE – von mir persönlich wie auch im Namen der Landesregierung Brandenburgs. St. Marien-Andreas ist ein Unikat und steht zugleich für die vielen Kirchen in Brandenburg. Denn sie sind mehr als Gotteshäuser: Sie sind 

Gemeinschaftsorte, kulturelle Anker, gelebte Geschichte und Räume für Zukunft. 

Ihr Erhalt gelingt dort, wo Menschen, Kirche, Staat und Zivilgesellschaft zusammenstehen. 

 Meine Damen und Herren, im Ersten Korintherbrief heißt es: " Wenn ich allen Glauben hätte, sodass ich Berge versetzen könnte, aber hätte keine Liebe – so wäre ich nichts." 

Hier in Rathenow sehen wir: Glaube hat Menschen ins Handeln versetzt – weil sie sehr viel Liebe haben: für ihre Kirche, für ihre Gemeinde und für ihre Stadt. 

 

Dr. Manja Schüle

Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Grußwort am 26.04.2026 in der Kirche in Rathenow gehalten