Biografie von Annemarie Schütz

 

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Annemarie Schütz, geborene Knackmuß, wurde am 26.04.1940 in Rathenow geboren. Ihr Vater, Otto Fritz Walter Knackmuß (*03.02.1909 -† 11.03.1980 ) war ein kleiner Händler mit Ölen, Fetten und Farben und heiratete am 22.10.1939 in der Semliner Dorfkirche und dem Standesamt Hohennauen Gertrud Elfriede Hirsch (*18.04.1918 - † 26.02.2003). Elfriede Hirsch kam aus Penkendorf, Kreis Schweidnitz, in Schlesien und war Hausangestellte beim Grafen von Bredow in Lochow. Die kleine Famile wohnte zunächst in dem Haus von Otto und Agnes Knackmuß in Semlin Ferchesarer Str. 12, den Eltern des Vaters. Später zog die Familie in das Haus am See, einer idyllisch gelegenen Villa im Wald und direkt am Semliner See (Seeblick 6). Die Kindheit war sehr glücklich. Die Beziehungen zu den Großeltern Agnes und Otto Knackmuß und zu der Schwester der Großmutter Anna Fritze waren herzlich. Annemarie Schütz wurde 1946 in die Dorfschule Semlin eigeschult und erhielt in den ersten Jahren Unterricht vom Lehrer Hugo Zastrow und Renate Fennert. Auf den Schulzeugnissen werden sehr gute und gute Leistungen ausgewiesen. In den ersten Jahren wurde auch noch Führung und Haltung beurteilt, wo sie immer ein sehr gut nach Haus brachte. Später übernahm Edith und Klaus Harms den Unterricht in der kleinen Semliner Dorfschule.

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Annemarie als Schulkind

Zum Beginn der großen Sommerferien und zu Weihnachten wurden in den zwei großen Gaststätten des Dörfchens immer Theaterstücke aufgeführt, wo Annemarie wegen ihrer schönen blonden Zöpfe oft die Hauptrolle spielte. So spielte sie einmal die Maren in der Regentrude nach dem Märchen von Theodor Storm. Regine Thiedecke spielte die Mutter Stine und Siegfried Schröder den Feuermann. Siegfried Schlottmann spielte den Andres, Richard Guthan den Wiesenbauer und Christa Röhle die Regentrude. Die märchenvorleserin war Doris Hübscher (geborene König). Es gab auch Theaterstücke wie Zwerg Nase mit Jürgen Guthan in der Hauptrolle. Auch hatte Horst Thiedecke bei einem Ferienanfang  einmal das Gedicht "das Huhn und der Karpfen" von Heinrich Seidel.

 

Das Huhn und der Karpfen

Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner tun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!

Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen saß
Und stillvergnügt sein Futter fraß,
Der hörte das Geschrei:
Wie's kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei!

Da sprach der Karpfen: "Ei!
Alljährlich leg' ich 'ne Million
Und rühm' mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte –
Was gäb's für ein Geschrei!"

 

 

Am 13.10.1940 war sie in der Dorfkirche Semlin durch Pfarrer Ernst Detert getauft worden und am 16.05.1954 wurde sie dort von Pfarrer Rolf Stubbe konfirmiert. Ihr Konfirmationsspruch lautete: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Johannes 8,12).

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Sie ging dann später nach Rathenow und absolvierte an der Erweiterten Oberschule „Karl Marx“ die mittlere Reife (01.09.1955 -21.06.1956). Ihr Klassenlehrer war Fritz Lorenz. Nach der Schule nahm sie eine Lehre zur Telefonistin bei der Post auf und arbeitete viele Jahre als „ Fräulein vom Amt“.

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Am 06.06.1964 heiratete sie in Friedrichroda Paul Schütz und begann eine Arbeit in der Lohnbuchhaltung des VEB Ofen- und Herdbau Rathenow, wo sie berufsbegleitend 1968 das Facharbeiterzeugnis für den Industriekaufmann erwarb. Am 05.01.1965 wurde ihr Sohn Jörg und am 13.09.1974 ihr Sohn Matthias in Rathenow geboren. Nach der Eheschließung zog die Familie nach Premnitz, und Annemarie Schütz nahm eine Tätigkeit als Sachbearbeiterin in der Lohnbuchhaltung des Volkseigenen Betriebes (VEB) „Friedrich Engels“ auf.  Sie ging mit ihren Kinder jeden Sonntag in die Premnitzer Kirche und fuhr auch mit dem damalgen Pfarrer Oswald Schönherr und einer Gemeindegruppe jedes Jahr nach Herrnhut in das Gästehaus der Brüdergemeinde und verlebte mit ihren Kinder eine Woche Winterurlaub. Diese Wochen blieben auch bei den Kindern in bleibender Erinnerung und ihr Sohn Jörg schrieb dazu:

 

Wenn es so richtig knackig kalt war in den Februarferien fuhren wir mit unserm Premnitzer Pfarrer Oswald Schönherr in den Schnee nach Herrenhut. Für Alt und Jung war es eine schöne Zeit. Das Gästehaus der Brüderunität konnte unsere Gruppe mit ca. 20 bis 30 Mitfahrern beherbergen. Was für ein Glück, dass das Zittauer Gebirge in den 1970iger Jahren noch schneesicher war. Es gab Frühstück und Abendbrot im Haus und am Tag waren wir mit Schlitten und Skiern oder zu Fuß in den Bergen unterwegs. Am Abend nach dem Essen gab es die berühmte Vaterstunde, wo die Väter für alle Kinder eine Art Live-Sandmannshow veranstalteten mit Quiz, Liedersingen, Spielen und gemütlichem Beisammensein und immer begleitet von einer Andacht vom Pastor Oswald Schönherr.

Wenn die Kleinen im Bett waren ging es für die etwas Älteren ab 13/14 Jahren los mit dem Kartenspielen. Es wurde die halbe Nacht gepokert oder Rommee und  Doppelkopf  gespielt, bis auch wir müde wurden. Manchmal erzählte noch einer der Erwachsenen eine Grusel-Gute-Nachtgeschichte und wir Teenies konnten danach nicht recht einschlafen. Es gab immer mal Ausflüge auf den Oybin oder andere Berge, wo die Männer Bierkästen, Brötchen und Grillwürste hochschleppten und dann mittels Feuerholz kleine Feuer angezündet wurden und  worauf man alles auf Metallschweißstäben erwärmen bzw. Grillen konnte, das war immer ein Highlight, da Grillen im Schnee sonst nicht üblich war. So manch ein anderer fremder Tourist wollte dann auch am Grillen teilhaben. In der Nähe von Herrenhut war ein Ort mit Kino, den wir auch manchmal am Abend besuchten. Das ganze Jahr freuten wir uns auf diese Reise, als Konfirmanden durften wir auch schon ohne Eltern dorthin fahren und es hatte etwas von Ferienlager-Atmosphäre. Hingefahren wurde meist mit dem eignen Pkw und alle freute sich, wenn es einen freien Platz gab, damit auch die Winterskiausrüstung mitkam.

 

1981 erlitt sie einen Schlaganfall mit linksseitiger Lähmung, der zur Berentung führte. Nach der Einheit Deutschlands zog die Familie wieder nach Rathenow zurück. Am 10.11.2002 wurde ihre Enkelin Alexandra Nina Schütz in Berlin geboren, worüber sie sich freute.  Am 01.05.1997 trat Annemarie Schütz dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. bei. Sie war der Kirchengemeinde in Premnitz und in Rathenow immer eng verbunden und fühlte sich in ihr geborgen. Am 11.06.2008 verstarb sie an einer langwierigen Krankheit, die sie seit ihrem 20. Lebensjahr begleitete.

Im Gedenken an Annemarie Schütz

wurden am 01.02.2021 die Goldstifterbriefe Nr. 21-21 (10.000,00 €)

gespendet.

 

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Grabstein 13.02.2021

Copyrigt Dr. Heinz-Walter Knackmuß, 01.02.2021